Friday, November 25, 2005

Das gehört nicht zum Essay und ist nur ein kleiner Nachtrag:

Habt ihr gewusst, dass die Brustwarzen des Mannes als Überbleibsel der Evolutionsgeschichte gelten und heute völlige ohne Nutzen sind. Sie sind aber trotzdem vorhanden, da sie für das weitere Überleben nicht schädlich sind. Nachzulesen im National Geographic (Nov.´04) da gibts noch jede Menge interessanter evolutionistische Forschungsergebnisse. Wer will kann auch ausborgen bei mir. Viel Spass beim Lesen

Evolutionismus1. Von welchen Prämissen geht der Evolutionismus aus und wie können die Grundannahmen und Forschungsergebnisse des Evolutionismus in der heutigen Sozial- und Kulturanthropologie integriert und bewertet werden? Diskutiere die theoretische Basis dieser anthropologischen Strömung im Zusammenhang mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen bzw. mit politischen und wirtschaftlichen Kategorien der Gegenwart.


In meinem Essay möchte ich zuerst als Einleitung die Prämissen des Evolutionismus darstellen, um dann anhand der einzelnen evolutionistischen Strömungen und deren theoretischer Basis, gegenwärtige Problematiken darzustellen.

Einleitung:
Der Evolutionismus der Kultur –und Sozialanthropologie entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1860-1890). Schon seit Beginn der ersten Kontakte (Beginn der Neuzeit 1492) der westlich zivilisierten Welt mit den „savages“[1], fing diese an sich mit diesen Naturvölkern zu vergleichen. Vor allem war es das viktorianische England, welches hinter dem kolonialen Hintergrund, nach Zusammenhängen mit den „primitive cultures“ forschte, was oft in einer klassifizierten Rangordnung vom Niedrigen zum Höheren endete. Sie glaubten also an eine geordnete Welt, in der das christliche Europa eine als allen anderen überlegene Kultur dastand, was oft mit der zwanghaften Missionierung dieser so genannten Wilden, einherging.
Auch die Philosophie machte sich zu diesem Thema Gedanken. Bedeutend hervorzuheben für die Kultur – und Sozialanthropologie sind Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau .
Ersterer sprach vom Menschen als grundsätzlich schlechtes Wesen, welches nur durch einen Gesellschaftsvertrag gezähmt werden konnte. Zweiterer vertrat die Ansicht, dass der Mensch von Grund auf gut sei und sprach auch vom so genannten „edlen Wilden“.

Es gab viele Thesen ob der Mensch nun als eine Art mit einem einzigen Ursprung (Monogenismus), oder als eine Art mit unterschiedlichen Ursprüngen (Polygenismus) angesehen wurde.
Abhilfe zur Beantwortung dieser Frage schaffte der Biologe Charles Darwin Mit seinem Bahnbrechenden Werk „On the Origin of Species“(1859 ) formulierte er die Theorie, dass alle Arten gemeinsame Vorfahren haben und sich durch natürliches Ausleseverfahren und Anpassung über Generationen hinweg verändern und weiterentwickeln. Also die Entwicklung von einfachen, hin zu komplexen Systemen.
Somit war auch die Frage der Art Mensch (s.o.), zumindest auf wissenschaftlicher Ebene, geklärt, weil das „Wort Rasse auch gar nicht auf den Menschen anwendbar ist, weil dieser auch gar nicht gezüchtet wird“. [2]
Der Gedanke also, dass wir alle (eingeschlossen alle Lebewesen) denselben Ursprung (Monogenismus) haben und eine einzige große Gemeinschaft sind, ist gewissermaßen ein wunderbarer Gedanke, auf dem man aufbauen konnte.
Während aber der biologische Evolutionismus eine „wertende Interpretation dieser Entwicklung im Sinne eines Fortschrittes zu höheren Stufen organischen Lebens ausschloss“[3], war dies bei den klassischen Evolutionisten der Kultur- und Sozialanthropologie des 19. Jahrhunderts nicht der Fall.
Deren Hauptvertreter waren Lewis Henry Morgan, Edward B. Tylor und James Frazer, und vertraten im allgemeinen die Ansicht, dass sich auch die Gesellschaften der verschiedenen Kulturen, von einfachen hin zu komplexeren entwickeln müssten, in dem Sinne, dass die europäische Gesellschaft an deren Spitze steht und alle anderen zwangsläufig dieselbe Entwicklung machen müssten.
Diese eurozentristische Sicht, die Morgan nach wirtschaftlichen und soziologischen Kriterien (War auch Feldforscher bei den nordamerikanischen Indianern), und Tylor und Frazer nach religiösen Faktoren abhängig machten, war sehr subjektiv und führte dazu, an einer unilinearen Entwicklung der Gesellschaften festzuhalten. Diese besagt, dass bestimmte Entwicklungsstadien zwangsläufig durchlaufen werden mussten.

Unilinearer Evolutionismus:

Um einen Bezug zu Gegenwart herzustellen möchte ich auf die von Frazer in seinem Hauptwerk „The Golden Bough“ (1890) aufgestellte Theorie eingehen, in der er von einer Entwicklung des Weltbildes der Menschen, von Magie (angewandte Wissenschaft“) über Religion hin zur Wissenschaft spricht und damit die Wissenschaft über alle anderen Bereiche stellt. [4]
Solche Debatten werden vor allem interessant, wenn man sich die erst wieder kürzlich durch einen Artikel Schönborns, in den USA entfachte Diskussion, zwischen den Kreationisten und deren Gegner (z.B. American Anthropologists) genauer ansieht. Während Schönborn von einem Intelligence System (göttlicher Plan, der hinter der Evolution unsichtbar wirkt) zu sprechen versucht, um dabei die Evolutionslehre in die biblische Lehre zu integrieren, versuchen verschiedene fundamentale Gruppierungen jegliche Argumentationsketten der Evolution zu negieren.
Persönlich möchte ich noch hinzufügen, dass dies natürlich beweist, dass auch der Glaube, einem, wenn man so will, evolutionistischen Prozess unterworfen ist. Um wieder auf Frazer zu kommen, dies aber nicht unbedingt heißen muss, dass die Wissenschaft das Bedürfnis der Menschen nach Religion automatische ersetzt. Im Gegenteil, finde ich dass heute zwar mehr Kirchenaustretungen den je zu verzeichnen sind, aber das Bedürfnis nach Erklärungen und spiritueller Wärme größer denn je ist.

Universeller Evolutionismus:


Der universelle Evolutionismus, der in den 30er Jahren des 20.Jahrhundert entstand, bezog sich mehr auf die materiellen Faktoren (Morgan), als auf die von Frazer und Tylor festgelegten Religiösen.
Einer dieser neoevolutionistischen Vertreter war Leslie A. White, der die Behauptung aufstellte, dass der Fortschritt einer Gesellschaft vom Energie -verbrauch pro Kopf abhängig sei. Denn Energie sei der Schlüssel der Entwicklung. Am Anfang existierte dies nur in Form des menschlichen Körpers, später wurden dann Feuer, Wasser, Wind etc. für sich entdeckt.
Ich glaube dass dieser Gedanke, lange, und teilweise noch immer in den Köpfen vieler Regierungen verankert ist.
Solch eine evolutionistische Haltung hat nämlich immensen Einfluss auf die Behandlung der westlichen Welt mit den so genannten Entwicklungsländern, die zum Beispiel von den „Modernisierungstheoretikern“ [5]propagiert wird. Diese gehen nicht auf den negativen kolonialen Einfluss der Europäer ein, sondern sehen die Unterentwicklung als Rückständigkeit der Gesellschaften selbst an, die zu sehr in Traditionen, wie die Religion verhaftet sind. Der evolutionistische Gedanke ist hier noch immer sehr stark verankert, da sich heute die westliche Welt nach wie vor als Zugspitze ansieht, der alle anderen Entwicklungsländer nacheifern müssten um aus ihrer derzeitigen wirtschaftlichen Krise zu kommen.
Doch tauchen auch immer häufiger Stimmen auf, welche die Meinung vertreten, diese Länder müssten ihre eigene Entwicklung, ohne zuviel Zutun von außen durchmachen. Hier spreche ich die Dependenztheoretiker an, die für eine Aufhebung der Abhängigkeit sprechen.

Multilinearer Evolutionismus:

Diese Richtung ist sehr stark mit der Kulturökologie verbunden. Sie besagt dass Entwicklung und deren Abläufe natürliche sehr stark von dem ökologischen Umstand und generell von der Umwelt in der sich eine Gesellschaft befindet, abhängt. So zeigte Steward, dass Jäger und Sammler charakteristische Wege entwickelten, um die Ressourcen zu ihrem größten Vorteil auszubeuten („nicht nur durch Technologie, sondern auch durch saisonale Migration, territoriale Arrangements und dem Zweck angepasste Gruppenstrukturen“)[6]
Bei der Kulturökologie geht es um die Beziehung des Menschen zu dessen Umwelt, dessen physiologische Anpassungsfähigkeit und die Veränderung die der Mensch seiner Umgebung unterwirft. Wenn wir also den Grundgedanken des Evolutionismus hernehmen, also vom Gedanken der Weiterentwicklung sprechen und uns im allgemeinen die Entwicklung der westlich industrialisierten Gesellschaft ansehen, so muss ich doch folgendes feststellen: Auch wenn wir uns in einem gewissen Grad entwickelt haben, Industrien aufgebaut haben, die den angeblichen Fortschritt postulieren, müssen wir uns doch die Frage stellen, inwieweit wir damit unsere Umwelt belasten und infolgedessen dann auch zwangsweise zum Niedergang der eigenen Gesellschaft beitragen. Ewiges Ausbeuten auf Kosten der Natur, bedeutet für mich keine sehr komplexe, durchdachte, hoch entwickelte und notwendige Entwicklung.
Vielmehr sollten wir uns ein Beispiel an diverse Naturvölker, wie zum Beispiel den Aborigines, nehmen. Diese betreiben deshalb keinen Ackerbau, da der Boden und die Erde als heilig angesehen werden, und für künftige Generationen gepflegt und verwaltet werden muss.
Auch in Bezug auf territoriales Jagdverhalten (Jeder Aborigine besitzt ein Tier zu dem er sich zugehörig fühlt und welches er nicht anrührt) entstand ein ökologisches Gleichgewicht, welches so eine Überjagung der Bestände vermied.
Wenn ich mir dagegen, die durch unseren technologischen Fortschritt ausgelöste, Massenabfertigung im Bereich der Fischindustrie ansehe(Ausbeutung der Meeresbestände), sieht man doch sehr deutlich die ganze Ironie in der ganzzeitlichen Debatte der „westlichen“ Entwicklung.
Und Evolution bedeutet ja auch eine Entwicklung für künftige Generationen zu ermöglichen und deshalb ist es unsere Aufgabe, eigene Werte und Prozesse in Frage zu stellen, Dialoge mit anderen Kulturen zu führen, um so unseren Kindern auch diese Möglichkeiten bieten zu können.


Neo – Darwinismus:

Hier möchte ich kurz die Soziobiologie ansprechen, die eine interdisziplinäre Diskussion entfachte. Deren Vertreter behaupten, man könne die menschliche Kultur in der selben Weise wie das soziale Leben von z.B. Termiten oder Wölfen erklären.
Dieses Argument widerspricht der Mainstream-Theorie der strukturalistischen Anthropologie (vertreten durch Claude Lévi-Strauss), dass das Inzest-Tabu als Grenze zwischen Tieren und Menschen markiert. Nur Menschen haben die Fähigkeit, ein Tabu zu schaffen. Für Lévi-Strauss ist das Inzest-Tabu Teil der (menschlichen) Natur, weil es in allen Gesellschaften vorhanden ist, aber es ist auch das Wesen von Kultur, weil es von Kultur zu Kultur unterschiedlich definiert wird. Andere Kritiker wie Harris meinten dass Kultur „genfrei“[7] ist.
Ich glaube in solchen Diskussionen wird sich noch sehr viel tun, aber beide Disziplinen (Biologie und Kulturwissenschaftler) sollten nicht gegeneinander sondern miteinander vernünftige Konzepte entwerfen, die auf sachlicher Ebene diskutiert werden. Somit ist es sicherlich hilfreich wenn sich Studenten der Kultur- und Sozialanthropologie, auch mit anderen (naturwissenschaftlichen) Disziplinen auseinandersetzen, um dann bei wichtigen Fragestellungen auch ihre Meinungen vernünftig beizutragen.

[1] vgl. Barnard, Alan, 2000:27
[2] VO: Gingrich 19.10.05
[3] Grundfragen d. Ethn., S. 331
[4] Barnard, S.37
[5] VO: Entour; 8.11.05
[6] Barnard; S.41
[7] Barnard; S.43

Quellen:

Frederik Barth, Andre Gingrich, Robert Parkin, Sydel Silverman: One Discipline, Four Ways: British, German, French and American Anthropology; (Chicago 2005),
Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology; (2000)
Michel Panoff, Michel Perrin: Taschenwörterbuch der Ethnologie; (3.überarbeitete Auflage; 2000)
Wolfdietrich Schmied- Kowarzik, Justin Stagl: Grundfragen der Ethnologie,(2.überarbeitete Auflage; 1993)

VO: Einführung die Geschichte der Kultur – und Sozialanthropologie (Prof. Gingrich; WS´05)
VO: Einführung Modul: Entour (Mag. Dr. Gabriele RASULY-PALECZEK, WS´05)

Sunday, October 23, 2005

geschichtetutorium

mein blog